Porträt Walter Sommerau (1931 – 2007)

Schon als kleiner Junge war es Walter Sommerau ein Bedürfnis, mit Bleistift und Zeichenblock seine Umgebung, Häuser und Plätze des Dorfes und die Bündner Berge festzuhalten. Der Künstler kam im Oktober 1931 in Latsch als Sohn einer einheimischen Bauernfamilie zur Welt und wuchs dreisprachig mit Rätoromanisch, Deutsch und Italienisch auf. Bestimmt prägte ihn diese Mehrsprachigkeit genauso wie die späteren Reisen, kulturellen Verbindungen und Interessen, die ihn offen und neugierig auf das Leben und andere Menschen machten.

Nach der Schulzeit in Latsch und Bergün kam er mit 16 Jahren zu den Grosseltern ins Unterland, wo er eine Malerlehre begann. Allergien zwangen ihn schon bald, die Lehre abzubrechen. Er zog zurück ins Bündnerland, wo er eine Ausbildung als Confiseur abschloss. Während der Lehrzeit hatte er vermehrt zu malen begonnen, der Verkauf eines ersten Bildes ermöglichte ihm, sich die nötigen Utensilien zu besorgen.

Der Beruf als Zuckerbäcker führte Walter Sommerau nach seiner Ausbildung in renommierte 5-Sterne-Hotels in der Schweiz und ins Ausland, wo er in den angesehensten Häusern, unter anderem im King David Hotel in Jerusalem, aber auch an anderen Orten im Nahen Osten, in Italien und der Tschechoslowakei als Chef-Patissier arbeitete. Parallel zu seiner Arbeit, die ihm durchaus ermöglichte, sehr kreativ zu sein, wurde es für ihn immer wichtiger, sich in Bildern und Farben auszudrücken. Mit grosser Leidenschaft bildete er sich während der Lehr- und Wanderjahre als Autodidakt stetig weiter.

Wieder zurück in der Schweiz, arbeitete er einige Jahre bei einem Grossverteiler, um nebenbei genug Freiraum für die künstlerische Tätigkeit zu haben, bevor er sich im Alter von 45 Jahren als freischaffender Künstler selbständig machte. Seine grosse Schaffenskraft und der Erfolg an vielen Ausstellungen erlaubten ihm, den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten. Lebensmittelpunkt der Familie war stets Chur, während er sein Atelier in Meilen unterhielt. In Meilen spielte sich auch sein soziales Leben ab, er engagierte sich in der Gemeinde, vorab für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen, hatte stets ein offenes Haus und pflegte ein grosses Beziehungsnetz, jedermann kannte und schätzte ihn. Hier lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 2007.

Die enge Verbundenheit des Malers mit Mensch, Tier, Landschaft und der Natur widerspiegelt sich in den Werken. Es sind Ausschnitte aus seinem Alltag, Leute, denen er täglich begegnet, die Wälder und Seen des Engadins gleichsam wie der Zürichsee mit den sanft fliessenden Konturen. Walter Sommeraus Stil ist nicht einfach einzuordnen, weder abstrakt noch konkret. Nebst seinem Talent als figurativer Zeichner beeindruckt sein ausgeprägter Farbensinn. Farben sowie die Reflexion des Lichts prägen denn auch als wichtigste Gestaltungsmittel seine Bilder, vornehmlich Aquarelle in verschiedenen Formaten. Die Motive erscheinen oft von leichter Hand mit einem Stift skizziert, eine Art Bildgerüst, auf das dann der Farbauftrag mit kräftigen Farben kommt. Immer wieder findet man den harmonischen Dreiklang von Blau, Grün und Gelb, akzentuiert oder kontrastiert von einem warmen Rot. Details zerfliessen oder treten ganz in den Hintergrund. Es ist die leuchtende Ausdruckskraft der Farben, die den Bildbetrachter als Erstes fasziniert und in ihren Bann zieht.

Walter Sommerau ist auch in seinen Bildern ein Geschichtenerzähler, so wie er als Philosoph und Schriftsteller Märchen und Feuilletonbeiträge schreibt, so erzählen seine Bilder weit mehr, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.